Klassikkonzert

„Klassentreffen“ der musikalischen Spitzenklasse
Grandioses Klassik-Eröffnungskonzert im EVENTUM Wittlich

„Es ist ja beinahe ein Klassentreffen“ erklärten Matthias Ambrosius, Marion Eckstein, Thomas Hammes, Anne und Dirk Kaftan, Manuel Klein und Claudia Reuter, die mit dem Orchester M 18 am vergangenen Samstag das ausverkaufte Klassik-Konzert zur Eröffnung des EVENTUMS Wittlich bestritten. Alle Solisten und der Dirigent stammen bekanntlich aus Wittlich und Umgebung, sind in den 1970er Jahren hier geboren und waren Schüler der Kreismusikschule Bernkastel-Wittlich. Heute sind sie alle gefeierte Künstler, die auf den Bühnen Europas auftreten und Mitglieder der renommiertesten Orchester Deutschlands sind.(Claudia Reuter z.B. bei der Berliner Staatskapelle, der Lüxemer Matthias Ambrosius bei den Münchner Philharmonikern oder Thomas Hammes beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart).

Eine ausgefeilte Bühnen- und Projektionstechnik rückte Sehenswertes auch ohne Opernglas hautnah heran. Hier im Bild Marion Eckstein bei ihrem Solo aus der Rossini-Oper “Italienierin in Algier. (Foto: Jan Mußweiler).Einst in die weite Welt hinausgezogen sind diese hochbegabten „Kinder der Eifel“, am vergangenen Samstag nach Wittlich sind sie zurückgekommen, um in der neuen Halle musikalisch von der Welt zu erzählen. Unter diesem Motto kann man die Programmgestaltung sehen. Da galoppierten die Janitscharen in Arutjunjans Trompetenkonzert, temperamentvoll interpretiert von Thomas Hammes, über den armenisch-türkischen Marktplatz. Marion Eckstein sang von der komplizierten Liebe der Italienerin in Algier (Rossini) und führte das Publikum mit „Westside Story“ nach New York, indem sie Bernsteins „Somewhere“ emotional und berührend, aber meilenweit vom üblichen Musicalgesang entfernt, vortrug. Wieder in den Orient führte die Saxophonistin Anne Kaftan. „Under the Veil“ (Unter dem Schleier) ist eine der ersten und erfolgreichsten Kompositionen Nigel Woods, eine mit orientalischen Klängen spielende, farbige, atmosphärische Programmmusik, die hohe Ansprüche an den Solisten stellte.

Claudia Reuter (geb. Ehses) begann mit dem Flötenkonzert (1. Allegro con fermezza) von Aram Chatschaturjan, mit dem auch sie das Publikum faszinierte und in ihren Bann zog. Ein farbiges, schwingendes, heroisches Allegro, das die Künstlerin nicht nur mit Entschiedenheit, sondern auch mit höchster Eleganz interpretierte. Und Matthias Ambrosius verführte das Orchester mit Artie Shaws Klarinettenkonzert dann vor der Pause zu fröhlichen Big-Band-Tönen, die den Weg über den Atlantik zeigten.

Dank der einfühlsamen und gleichzeitig witzigen Moderation des Schauspielers Manuel Klein verliefen nicht nur die Übergänge harmonisch, sondern die Solisten hatten die Möglichkeit, sich ganz intim an ihr Publikum, ihr Heimatpublikum- zu wenden und zum Teil Neues und Unbekanntes aus ihrer Biographie preiszugeben.

Bürgermeister Joachim Rodenkirch hatte die gut 1200 Besucher und die Künstler herzlich begrüßt und die Entstehungsgeschichte des Programms für das Klassik-Konzert kurz erläutert: Aufgrund einer Idee des Wittlicher Bildhauers Sebastian Langner und dessen Jugendfreund, dem Dirigenten Dirk Kaftan, schlossen sich die Solisten zusammen, um in ihrer „alten“ Heimat, der Wittlicher Senke, die neue Halle, die nun endlich in Wittlich große Konzerte mit Sinfonieorchestern erlaubt, gehaltvoll einzuweihen.
Was lag näher als im zweiten Teil des Konzertabends „Aus der neuen Welt“ von Anton Dvorak aufzuführen? „Aus der weiten, neuen Welt“ zurück nach Wittlich? „Aus der neuen Welt“ in der „neuen Halle“?

War der Beginn der Soli dem Kaukasus gewidmet, so zeigte das letzte Solo bereits die Reise zum zweiten Teil des Programms an.
Mit dem Orchester M 18 war für das Projekt ein genialer Partner gefunden worden. Die 61 jungen Musiker spielten bei aller Unterschiedlichkeit der Stücke mit Enthusiasmus, frei von jeglichen Allüren, hoch ambitioniert und diszipliniert und von einem Niveau, das auch in jedem großstädtischen Konzertsaal brillieren würde.

Mit 1.200 Zuhörern war das Klassikkonzert im Wittlicher EVENTUM bereits im Vorfeld  ausverkauft. Deshalb öffnete Dirk Kaftan die Generalprobe am Samstagvormittag auch für das Publikum. So konnten weitere ca. 150 Erwachsene und 30 Kinder das Konzert hören. Ein besonderes Angebot war auch, 250 Schülern den Probenbesuch unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Donnerstag und Freitagvormittag zu ermöglichen (siehe weiteren Bericht dazu in dieser „Rundschau“).

Eine ausgefeilte Bühnen- und Projektionstechnik rückte Sehenswertes auch ohne Opernglas hautnah heran. Hier im Bild Marion Eckstein bei ihrem Solo aus der Rossini-Oper “Italienierin in Algier. (Foto: Jan Mußweiler).Weit über 1.600 Menschen kamen so in den Genuss, Dirk Kaftan und das Orchester M 18 sowie die begnadeten Solisten zu sehen und zu hören. Frenetischer Applaus nach dem Konzert und „standing ovations“ waren Dank für ein anspruchsvolles Programm jenseits der üblichen populistischen Zusammenstellungen und für die Künstler von Weltniveau, denen  eine herausragende musikalische Eröffnung des EVENTUMS Wittlich gelang.

Bildeindrücke vom 23.02.2013

(Fotos: Jan Mußweiler)

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